Trends and Technology

Investitionen in eine langfristige Wertschaffung sind profitabler als kurzfristige Renditen

21 September 2021
The C2FO Team

Wenn Unternehmen sich im Laufe des nächsten Jahrzehnts in ihrer Branche behaupten möchten, müssen sie eine wertorientierte Strategie verfolgen.

Es gibt wohl kaum einen Wirtschaftszweig, den die COVID-19-Pandemie in den letzten 18 Monaten nicht in Mitleidenschaft gezogen hat. Unternehmen jeder Größe und in allen Branchen sahen sich dazu gezwungen, sich an bisher ungekannte Bedingungen anzupassen und ihre Prozesse von Grund auf neu zu überdenken. 

Wirtschaftliche Lockdowns sowie die Notwendigkeit von Social Distancing und der Wechsel zur Fernarbeit haben eine rasche und weitreichende Umstellung auf die Nutzung digitaler Technologien zur Folge gehabt. Auch die Fintech-Revolution wurde durch die Pandemie beschleunigt. Aufgrund dieser durchgreifenden und nachhaltigen Veränderungen müssen Unternehmen heute in allen Aspekten ihres Geschäftsbetriebs entsprechende technologische Hilfsmittel integrieren – denn diese sind nun nicht mehr optional, sondern fundamental.

Angesichts der Tatsache, dass sich eine Revolution im Fintech-Bereich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt angebahnt hat, ist sie nun überraschend rapide erfolgt. Während bis vor Kurzem nur vorsichtig und zögerlich Schritte in Richtung Digitalisierung genommen wurden, ist die digitale Transformation nun in kürzester Zeit in alle Branchen vorgedrungen. Ein kürzlich erschienener Bericht des globalen Beratungsunternehmens McKinsey & Co. stellte in diesem Kontext fest, dass die Welt im Jahr 2020 hinsichtlich der Implementierung neuer Technologien in nur acht Wochen Fortschritte in einem Ausmaß gemacht hat, für die zuvor eine Zeitspanne von fünf Jahren vonnöten gewesen wäre.

Was vielleicht noch wichtiger ist: McKinsey & Co. hebt hervor, dass der Aufschwung der Volkswirtschaften und Unternehmen entscheidend von der geschäftlichen Digitalisierung abhängt.

Die Zukunft wird vollständig digital sein – das zeichnet sich heute bereits deutlich ab. Sollten Unternehmen es nun also versäumen, Big Data und Analytics für das Risikomanagement, die Umsetzung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Initiativen oder aber auch für die Automatisierung einer ethischen und strategischen Beschaffung zu nutzen, werden sie immer weiter zurückfallen.

Best Practices zu befolgen, reicht nicht aus – Unternehmen brauchen eine neue Geschäftsphilosophie

In Australien haben Unternehmen diesen zukunftsgewandten Trend noch nicht wirklich verinnerlicht. Führungskräfte in den meisten Unternehmen erkennen zwar, welches Potenzial Technologien jenseits der reinen Umsatzsteigerung haben können – und man ist sich durchaus bewusst, dass dadurch die Geschwindigkeit, Kosteneffizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen sowie insbesondere in der Lieferkette erheblich verbessert werden können. 

Doch man weigert sich standhaft, sich der Sache vollständig hinzugeben. Die Unternehmensführung setzt eher auf kleinere, inkrementelle Verbesserungen statt auf grundlegende Veränderungen. 

Diesen Ansatz bezeichnen viele australische Unternehmen als die „Implementierung globaler Best Practices“. Eine solche Formulierung findet man in den Jahresberichten von fast allen Unternehmen, ebenso wie die Anerkennung der Vorzüge und des Potenzials von Investitionen in Technologieprojekte. Allerdings behandeln nur wenige australische Unternehmen Technologien als einen echten Kerngeschäftsprozess. Diejenigen, die dies doch tun, sind hingegen schwer auszumachen, da für sie Technologie ein integraler, normaler Bestandteil des täglichen Geschäftsbetriebs ist.

2021 haben die meisten australischen Unternehmen sich noch nicht vollständig an diese neue, digital ausgerichtete Welt angepasst. Stattdessen haben sie ihr altes Geschäftsmodell beibehalten, bei dem der Fokus auf maximaler Gewinnentwicklung und Aktienrendite liegt, während sie sich nach außen hin mit der Implementierung neuer Technologien brüsten.

Diese Taktik mag vor der Pandemie für viele Unternehmen funktioniert haben, doch zukünftig wird sie das nicht mehr tun.

Nicht die Rendite, sondern wertschaffende Investitionen sollten das Ziel sein

Wenn Unternehmen langfristig nachhaltige Gewinne erwirtschaften möchten, sollten sie ihr Geschäftsmodell nicht an kurzfristigen Kapitalrenditen ausrichten, sondern mittel- bis langfristig in die Wertschaffung investieren. 

Dieser Investitionsprozess hat viele verschiedene Facetten und wird sich für jedes Unternehmen unterschiedlich gestalten. Um herauszufinden, wie erfolgreich Unternehmen diesen in ihrer Wertschöpfungskette implementieren, können sie sich die folgenden Fragen stellen:

1. Werden Lieferanten und Kunden gleichberechtigt behandelt?

2. Konzentrieren sich unsere Investitionen auf die Maximierung der Kapitalrendite oder auf die Schaffung eines langfristigen Mehrwerts?

3. Gibt es wahre Gleichberechtigung in unserer Wertschöpfungskette?

4. Wie können wir unsere Wertschöpfungskettenpartner unterstützen und sogar gemeinsam mit ihnen investieren?

Die seit Langem überfällige Entwicklung einer Umwelt-, Sozial- und Governance-Initiative in australischen Unternehmen ist eines der ersten formalisierten Programme, in denen dieser Wechsel der Prioritätensetzung – von der Rendite zur Wertschaffung – beobachtet werden kann. So hat beispielsweise die Bewegung, Zulieferer durch Anreize statt Audits zu besseren Leistungen zu motivieren, Unternehmen zum Umdenken angeregt. Sie bewerten nun neu, wie sie durch ihren Geschäftsbetrieb einen positiven Einfluss auf ihre lokalen Gemeinschaften haben können. Dadurch findet eine grundlegende Verlagerung ihrer Prioritäten statt: von Investitionen und Rendite zu Co-Investitionen und Wachstum.

Die Pandemie hat einen Paradigmenwechsel angestoßen, der sich jedoch noch in der Anfangsphase befindet. Aktuell bedeutet das, dass Unternehmen hinterfragen, wieso sie überhaupt tun, was sie tun, und ob ihre Prinzipien noch zeitgemäß sind. Unternehmen und ihre Wertschöpfungsketten, die die zahlreichen pandemiebedingten Betriebsunterbrechungen überlebt haben, sind nach wie vor mit diversen akuten Problemen konfrontiert. Im Laufe der Zeit werden sie jedoch in der Lage sein, auf das Geschehene zurückzublicken, um zu beurteilen, was schiefgelaufen ist und wie sie dies in Zukunft vermeiden können. 

Ich vermute zum Beispiel, dass das Konzept der Just-in-Time-Produktion drastisch überholt werden muss. Ebenso die Strategien, nur minimale Lagerbestände zu führen und sich für den Handel auf offene Grenzen zu verlassen. Um wirklich weltweit führend zu sein, müssen Unternehmen erkennen, dass ein Just-in-Time-Ansatz in einer Post-COVID-Welt nicht mehr tragbar ist. Stattdessen müssen sie in die Wertschaffung investieren. Anders ausgedrückt: Es wird zukünftig teurer sein, eine unabhängige Produktionskapazität zu haben und aufrechtzuerhalten. 

Das bedeutet auch, dass wir die laufenden Kosten unserer Widerstandsfähigkeit auffangen müssen,  z. B. von Investitionen in Technologien, höheren Zahlungen an Lieferanten und der Diversifizierung der Ökosysteme in der Wertschöpfungskette, durch die wir uns vor künftigen Störungen schützen. 

Dass Unternehmen die Wertschaffung bewusst der Rendite vorziehen und Technologien als selbstverständlichen Aspekt des Geschäftsbetriebs betrachten, stellt eine grundlegende Veränderung in der Geschäftsführung dar. Es widerspricht dem Bestreben nach Renditemaximierung und geht über die aktuellen geschäftlichen Leistungsindikatoren hinaus.

Ein entsprechender Trend hat sich bereits durchgesetzt. Wichtig ist nun also die Frage, ob australische Unternehmen den Mut haben, sich darauf einzulassen.

Zusammenfassung

Die Pandemie hat uns zahlreiche Schwachstellen in unseren globalen Wertschöpfungsketten aufgezeigt. Sie hat auch dazu geführt, dass Unternehmen heute schnellstmöglich einen digital ausgerichteten Geschäftsansatz implementieren müssen. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass ein vollkommen unerwartetes Ereignis die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht, und es wird sicher nicht das letzte Mal sein.

Es ist an der Zeit, dass sich Unternehmen diese Fintech-Revolution zu eigen machen, indem sie in ihre Wertschöpfungskette investieren, anstatt nur zu versuchen, einen möglichst großen Wert für sich daraus zu ziehen.

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